Asien,  Reisetagebuch

Varanasi

Varanasi ist nicht einfach nur eine gewöhnliche indische (1,2-)Millionenstadt, sondern die wahrscheinlich besonderste und heiligste Stadt des Landes. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen ist Varanasi bereits ungefähr im Jahr 1200 v. Chr. gegründet worden und daher eine der ältesten, dauerhaft besiedelten Städte der Welt. Zum anderen liegt Varanasi am Ganges, dem heiligsten Fluss der Hinduisten. Des Weiteren gilt Varanasi als Stadt des Gottes ‚Shiva‘, welcher einer der drei Hauptgötter des hinduistischen Glaubens darstellt.

Seit vielen Tausend Jahren reisen Hinduisten von überall nach Varanasi, um dort entweder im Ganges zu baden (dies soll von Sünden befreien) oder bestenfalls auch (zu gegebener Zeit) zu sterben. 

Was es zu sehen gab:

Varanasi besitzt kaum richtige Sehenswürdigkeiten, stattdessen ist die Stadt selbst eine einzige Sehenswürdigkeit. Die engen Gassen der Altstadt, die Ghats (befestigte Uferstellen) entlang des Ganges und das allgegenwärtige Zusammenspiel von Leben und Tod sind einfach besonders und unterscheiden Varanasi daher von allen anderen Städten. Gleichzeitig ist es aber auch chaotisch und dreckig und viele Nicht-Hinduisten verlassen Varanasi gerne schnell wieder. Allein der Weg vom Bahnhof zum Hostel in der ungefähr 5km entfernten Altstadt war das Chaotischte, was ich je in meinem Leben erlebt habe.

Die letzten Meter zum Hostel legte ich zu Fuß zurück und wurde dabei beinahe fast von einer Rinderherde plattgetrampelt. In Indien sind Tiere selbst in Städten natürlich keine Besonderheit, dennoch hat mich die Anzahl der (als heilig geltenden) Kühe sowie von Ziegen in der Altstadt(!!) ein wenig überrascht. Eigentlich in jeder Straße steht mindestens eine Kuh. Das Kühe natürlich auch Scheißen müssen und die Straßen daher voll mit Kuhfladen sind brauche ich sicherlich nicht extra erwähnen.

Die Altstadt:

Abgesehen von den Kühen und dessen Hinterlassenschaften ist die Altstadt mit ihren vielen engen Gassen wirklich ganz ansehnlich, außerdem verstecken sich dort einige ziemlich gute Restaurants und Cafés. Die verwinkelten Wege sind übrigens ziemlich unübersichtlich und selten kommt man dort raus, wo man denkt.

 

Ghats:

Wie bereits kurz erwähnt sind die Ghats befestigte Uferstellen entlang des Flussufers. Insgesamt 84 dieser teilweise schlossartigen Anlagen befinden sich in Varanasi, an vielen davon badeten rund um die Uhr Menschen im Fluss. Angesichts der Flussverschmutzung (neben der Asche landen auch jede Menge Müll und chemische Abfälle im Fluss, der Ganges gilt als einer der dreckigsten Flüsse der Welt) fand ich den Anblick immer ein wenig merkwürdig.

Sehr beliebt ist es, morgens zum Sonnenaufgang mit dem Boot auf dem Ganges zu fahren und die Ghats vom Fluss aus zu beobachten. Der Sonnenaufgang selber war ehrlicherweise nicht wirklich spektakulär, dennoch war es schon ziemlich beeindruckend, das tägliche Chaos beim Erwachen zuzusehen. Außerdem waren frühmorgens die Temperaturen (~30 Grad) auch noch gut aushaltbar, mittags stieg das Thermometer regelmäßig über 40 Grad.

Gerade unter westlichen Touristen stechen vor allen Dingen die beiden ‚Burning Ghats‘ heraus, an diesen werden tote Hindus nach strengem Ritual verbrannt und dessen Asche anschließend in den Ganges gestreut. Dies findet rund um die Uhr mit bis zu drei Leichnamen gleichzeitig und voll öffentlich statt. Lediglich von einem Stofftuch umhüllt werden die Leichname auf einem Holzhaufen in einem Metallgerüst gelegt und anschließend für drei Stunden verbrannt. Durch den Tod und die Bestattung am Fluss sollen die Hindus aus dem Kreislauf der Reinkarnation ausbrechen und in das Nirvana gelangen können.

Irgendwie war es auf der einen Seite wirklich spannend, dieses komplett andere Ritual der Bestattung mitzuerleben, auf der anderen Seite aber auch absolut surreal. Als wildfremder Mensch nur wenige Meter von einem der intimsten Momente eines jeden Lebens zu sitzen, bei uns unvollstellbar.

Natürlich ist aus Respektsgründen das Fotografieren streng verboten.

Photo: Michal Huniewicz/m1key.com

Weitere Bilder von den Ghats:

 

Aarti-Zeremonie:

Ein weiteres Spektakel an den Ghats ist die jeden Abend am Hauptghat ‚Dasaswamedh‘ stattfindende Aarti-Zeremonie zu Ehren des heiligen Ganges.

 

Tempel:

Überall in Varanasi befinden sich teilweise sehr kleine, teilweise aber auch große und imposante Tempel.

Im Hintergrund versteckt sich die goldene Spitze des ‚Goldenen Tempels‘, einem der bedeutendsten Tempel.

 

Varanasi hat meine Erwartungen wirklich übertroffen und der Besuch dort war eine interessante und einprägsame Erfahrung. Dennoch überforderten Chaos und Dreck doch zunehmend und ehrlicherweise verließ ich Varanasi nach vier Tagen zwar beeindruckt, aber definitiv auch mit Freude.

Marcel

Wir sind Milly und Marcel

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