Asien,  Reisetagebuch

Phnom Penh

Phnom Penh, die Hauptstadt von Kambodscha, und Ho-Chi-Minh-City trennen nur etwa 250km, dennoch brauchten wir für den Trip sieben Stunden. Der Grenzübergang ging dank E-Visa relativ schnell und ohne böse Überraschung (die Grenzbehörden in Kambodscha sollen sehr gut im erheben ausgedachter Sondersteuern sein), dennoch sind die Straßen und der Verkehr in beiden Ländern einfach chaotisch und Geschwindigkeiten über 50km/h daher nur selten zu erreichen.

Kambodscha besitzt offiziell eine eigene Währung (Riel), de facto läuft vor Ort allerdings alles über US-Dollar. Im Gegensatz zum Riel ist dieser weniger anfällig und daher inoffizielles Hauptzahlmittel. Die niedrigen Banknoten (in Vietnam entsprach ein Euro ungefähr 25.000 Dong) waren für uns im ersten Moment gewöhnungsbedürftig, dies legte sich jedoch schnell.

 

Unser Hostel:

Das ‘Big Easy Phnom Penh’ war ein ziemlich cooles Hostel, der Schlafsaal war mit Klimaanlage, Steckdose an jedem Bett und Vorhängen ausgestattet und damit einwandfrei. Außerdem gab es einen netten Barbereich mit richtig leckerem Essen!

Täglich hatten wir für mehrere Stunden Stromausfall, dies schien aber ein stadtweites Problem zu sein.

 

Was es zu sehen gab:

Die Geschichte Kambodschas besitzt ein ziemlich dunkles Kapital, dieses sollte unseren Besuch in Phnom Penh prägen. Wir lernten diese Geschichte erst vor Ort kennen, daher eine kurze Zusammenfassung:

Im Jahre 1975 kam nach langen Kämpfen eine nationalistische Guerilla-Bewegung namens ‘Rote Khmer’ an die Macht und rief das ‘Demokratische Kampuchea’ aus. Die Roten Khmer wollte die Bevölkerungsstruktur ändern und einen maoistisch-kommunistischen Bauernstaat ausrufen. Viele Menschen wurden vertrieben, Phnom Penh war bspw. nach 24 Stunden nahezu menschenleer. Menschen wurden zu Zwangsarbeit auf den Feldern gezwungen und die Industrie größtenteils geschlossen. Außerdem wurden Massensäuberungen gegen Minderheiten oder Aufständische (dessen Geständnisse unter Folter erzwungen wurden) durchgeführt. In den vier Jahren der Herrschaft der Roten Khmer starben insgesamt je nach Schätzung 1,7-2,2 Mio. Menschen, ungefähr 60% davon infolge der Zwangsarbeit und 40% durch direkte Gewalt.

In Phnom Penh gibt es gleich zwei Orte aus der Zeit der Roten Khmer zu besuchen: das S21-Gefängnis sowie die Killing Fields:

S21-Gefängnis (Toul-Sleng-Genozid-Museum):

S21 war eines von 196 Gefängnissen der Roten Khmer in Kambodscha, es wurde in einer ehemaligen Schule eingerichtet. Ungefähr 18.000 Menschen wurden allein in diesem Gefängnis festgehalten. Zwar wurden hier nicht alle Häftlinge zwangsläufig gefoltert, dennoch verließ niemand das Gefängnis lebend. Geständnisse wurden im Notfall auch unter Gewaltanwendung erzwungen.

 

Killing Field (Choeung Ek):

In Kambodscha gibt es rund 300 ‘Killing Fields’, also Orte, an welchen Häftlinge der Roten Khmer systematisch getötet wurden. Die ‘Berühmteste’ davon ist Choeung Ek, 15km von Phnom Penh entfernt.

Auch Kinder, Frauen und alte Menschen wurden in Choeung Ek gnadenlos umgebracht. Gegen diesen Baum wurden die Säuglinge mit dem Kopf geschlagen und anschließend in das Massengrab (heute umzäunt und überdacht) geworfen.

Im Nachhinein wurde in Gedenken an die Opfer diese Stupa errichtet. Viele der gefundenen Knochen werden darin aufbewahrt.

Insgesamt wurden in Choeung Ek ungefähr 17.000 Menschen getötet.

Wat Phnom:

Dieser Tempel ist Namensgeber der Stadt und dessen spirituelles Zentrum. Er befindet sich auf einem 27m hohen künstlichen Hügel.

 

Wat Ounalom:

Ein weiterer beeindruckender Tempel.

 

Phnom Penh als Hauptstadt Kambodschas sollte auf keinen Fall verpasst werden, die Stadt selbst aber ist nicht sonderlich spannend. Die beiden Mahnmäler aus der Zeit der Roten Khmer verändern den Blick auf das Land und sind daher absolutes Pflichtprogramm. Beide Stätten sind nicht ganz billig (8 bzw. 6 US-Dollar Eintritt, zudem wird ein Tuk Tuk für 8 US-Dollar p.P. benötigt), dennoch war es das Geld absolut wert!

Wir werden eine kurze Pause einlegen und verkriechen uns auf eine der Inseln des Landes. Bis bald!

Milly & Marcel

Wir sind Milly und Marcel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.