Mittel-/Südamerika,  Reisetagebuch

Mexiko-Stadt

Groß, größer, Mexiko-Stadt!

Nach knapp zweieinhalb Wochen im schönen Osten von Mexiko sollte es nun für uns ein krassen Kontrast geben, Mexiko-Stadt. In Yucatan besuchten wir kleine, ruhige Dörfer, meist mit schönen Sandstränden und schönem Wetter. Mexiko-Stadt ist mit 8,8 Millionen Einwohnern (Bundesstaat Mexiko-Stadt) bzw. über 20 Millionen Einwohnern (Metropolzone) eine der größten Städte der Welt. Aufgrund seiner hohen Lage (über 2300m über dem Meeresspiegel) ist das Klima hier insgesamt kälter, die Temperaturen pendeln zwischen 23 und 12 Grad Celsius.

Mexiko-Stadt ist jedoch nicht nur einfach eine riesige Stadt, sondern ein einziges Abenteuer. Die Luft ist in Mexiko-Stadt laut WHO wahnsinnig schlecht, galt lange Zeit als die schlechteste Luft weltweit. Die Trinkwasserversorgung sowie die Abfallentsorgung sind mangelhaft, wobei wir diese Probleme auch in Yucatan beobachten konnten. Leitungswasser taugt maximal zum Zähneputzen (ein Hoch auf das deutsche Leitungswasser!) und Müll findet man an jeder Straßenecke. Leider geizen die Mexikaner nicht mit Plastikmüll, jedoch mit Mülleimern.

Am abenteuerlichsten ist jedoch das Thema ‘Sicherheit’ bzw. ‘Kriminalität’, bei vielen ist dies auch der erste Gedanke. Und tatsächlich liest man im Internet allerhand Hinweise und Verbote: Taxi’s sollten wohl ausgesucht und von autorisierten Firmen an bestimmten Orten sein, die Metro wimmelt von Taschendieben, am Abend und in der Nacht sollte man sich nicht mehr als drei Nebenstraßen von den Hauptstraßen entfernen und viele Viertel sollte man gar nicht erst betreten, zumindest würde man sie wahrscheinlich nicht mehr verlassen. Entführungen und Morde stehen außerdem an der Tagesordnung. Natürlich bereitete uns dies ein wenig Bauchweh, dennoch findet man im Internet und auch im Freundeskreis viele Positivbeispiele, welche einem diese Stadt (natürlich mit gewisser Vorsicht) an’s Herz legen und einen Besuch wärmstens empfehlen. Also wollten auch wir uns diese Stadt nicht entgehen lassen und traten den Weg an.

Ursprünglich wollten wir aus Kostengründen mit dem Nachtbus von Merida nach Mexiko-Stadt fahren, der Mann aus dem Hostel riet uns jedoch zum Fliegen. Laut ihm sei es immer wieder vorgekommen, dass Busse trotz GPS-Überwachung in der Nacht überfallen worden sein. Und da wir gerade nachts durch einige heikle Gebiete hätten fahren müssen, sei der Flug die definitiv sichere Variante. Also folgten wir dem Rat und buchten einen Flug, praktischerweise wurde Mexiko-Stadt von Merida aus viele Male am Tag angeflogen. Statt 21 Stunden Busfahrt flogen wir die Strecke nun in 90 Minuten, bei der kurzen Distanz flog jedoch auch das schlechte Gewissen mit. Nun ja..

 

Unser Airbnb:

Günstige Hostels waren in Mexiko-Stadt leider nicht einfach zu finden, zumindest gab es immer einen Haken: mal gab es keine Küche, mal keine Handtücher, mal kein Frühstück. Also entschieden wir uns wieder für Airbnb, wo wir für sechs Nächte bei Abetzail einzogen. Die Nacht kostet hier nur 14€ für uns beide zusammen, preislich ist Airbnb oft unschlagbar. Unser Zimmer war zwar klein, hatte jedoch ein weiches Bett, einen eigenen Kühlschrank und sogar einen Fernseher mit Netflix und Co. Wir konnten Küche, Badezimmer und die Waschmaschine mitbenutzen und hatten somit alles nötige.

Die Fahrt vom Flughafen zur Unterkunft gestaltete sich ein wenig schwierig, denn der berühmt-berüchtigte Nahverkehr in Mexiko-Stadt hält definitiv was er verspricht. Wir kamen bereits morgens um acht Uhr in Mexiko-Stadt an und landeten somit total im Berufsverkehr. Die erste Metrolinie war noch in Ordnung, die Zweite jedoch hoffnungslos überfüllt (zumindest für uns und unsere großen Rucksäcke). Also fuhr Marcel allein zum Airbnb und wickelte die Schlüsselübergabe ab, unser Host musste schließlich zur Arbeit. Zurück an der Haltestelle, an der Milly wartete (1 Stunde!!), war der schlimmste Berufsverkehr dann abgeebbt, sodass wir gegen zehn Uhr dann auch Richtung Airbnb fahren konnten. Eine Fahrt mit der Metro kostet übrigens 5 Peso (23 Cent), unabhängig davon wie weit man fährt oder wie oft man umsteigt. Billiger wird man wohl nirgends vom Flughafen wegkommen!

 

Was es zu sehen gab:

Mexiko-Stadt geizt allein schon aufgrund seiner Größe nicht mit den Sehenswürdigkeiten, sodass es eher schwerfällt, sich die Wichtigsten rauszusuchen.

Centro Historico:

Das historische Zentrum von Mexiko-Stadt weist gleich eine Reihe von interessanten Gebäuden auf, welche sich um den Zocalo (Platz der Verfassung) bzw. in dessen Nähe befinden. An diesem Ort befand sich früher der Palast des Aztekenherrschers Moctezuma II. Zum einen befindet sich am Zocalo der Palacio Nacional (Nationalpalast), in welchem die mexikanische Regierung sitzt, zum anderen die Kathedrale von Mexiko-Stadt, die größte Kirche auf dem amerikanischen Kontinent. Im Nationalpalast befindet sich ein ‘Museum der Kulturen’, in welches wir eher unbeabsichtigt reingeraten sind. Leider waren die Infotafeln nur auf Spanisch, sodass wir nicht wirklich etwas verstanden.

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Tag der Unabhängigkeit:

Jedes Jahr am 16. September feiern die Mexikaner ihren wichtigsten Feiertag, den Tag der Unabhängigkeit. Am 16. September 1810 begann der mexikanische Unabhängigkeitskrieg gegen die spanische Kolonialherrschaft, welcher 1821 mit der Unabhängigkeit Mexikos endete.

Anlässlich dieses Feiertages wurde bereits Tage zuvor die Stadt in den Landesfarben geschmückt und eine Bühne auf dem Zocalo aufgebaut, auf welcher am Vortag ein buntes Programm stattfand. Um 23 Uhr trat dann der Staatspräsident auf den Balkon des Nationalpalasts und sprach einige, jedes Jahr gleich bleibende Worte (u.a. die Zeilen ‘Viva la Independencia Nacional, Viva Mexico!’). Anschließend beendete ein großes Feuerwerk die Feierlichkeiten des Vortages.

Am eigentlichen Tag der Unabhängigkeit wird dieser mit einer großen Militärparade gefeiert, auf welche wir jedoch verzichteten (und uns lieber die Volkssportarten Fußball und Lucha Libre ansahen – ob das “lieber” auf beide von uns zutraf lassen wir jetzt mal im Raum stehen..)

 

Palacio de Bellas Artes:

Nur einige Blocks vom Zocalo entfernt befindet sich der Palacio de Bellas Artes (Palast der schönen Künste), ein weiteres berühmtes Gebäude. Der 1934 fertiggestellte Palast gilt als das wichtigste Kulturhaus Mexikos, in welchem u.a. Tanz, Oper, Theater oder Musik aufgeführt werden. 

 

 

Palacio de Bellas Arten vom Torre Latinoamericana aus

 

Teotihuacan:

Circa 45km nordöstlich des Zentrums befindet sich die Ausgrabungsstätte Teotihuacan, welche als eine der bedeutendsten Ruinenstätte auf dem amerikanischen Kontinent gilt. Bei unserer Recherche nach Sehenswürdigkeiten wurde Teotihuacan eigentlich immer genannt, weswegen auch wir uns für einen Besuch entschieden.

Die Anreise erfolgt mit dem Bus (vom Terminal de Autobusse Norte), welcher einen direkt vor dem Eingang an der Ausgrabungsstätte absetzt. Im Internet lasen wir immer mal wieder von vereinzelten Überfallen auf diesen Bus, weswegen die Polizei nun durch den Bus läuft und alle Passagiere mit einer Videokamera filmt. Irgendwie ein komisches Gefühl..

Teotihuacan ist eine Ruinenstadt, welche ihre Anfänge bereits 1500 v. Chr. hat. Zur Zeitenwende bewohnten die Stadt 20.000 Menschen auf sechs Quadratkilometern, zur Hochzeit um 450 n. Chr. besaß sie ca. 200.000 Einwohner auf 20 Quadratkilometern. Schon 200 Jahre später (650 n. Chr.) schwand die Bevölkerungszahl jedoch wieder, 750 n. Chr. war Teotihuacan aus ungeklärten Gründen weitestgehend verlassen.

Die Ruinen stehen alle entlang bzw. am Kopf der damaligen Hauptstraße, der ‘Straße der Toten’, welche das gesamte Areal durchquert. Es befinden sich eine Vielzahl von Ruinen auf dem Gelände, drei Bauten besitzen jedoch eine besondere Bedeutung: die Ciudela (ein höfischer Palast), die Mondpyramide sowie die Sonnenpyramide. Letztere ist das bekannteste und vielleicht auch bedeutendste Gebäude in Teotihuacan, denn mit einer Höhe von 65m (und diese 65m kann man vollständig beklettern) ist die Sonnenpyramide die drittgrößte Pyramide weltweit.

Zugegebenermaßen hatten wir mit Tulum, Chichen Itza und Ek Balam schon drei Ruinenstätten besucht und damit war das ganz große Interesse daran vergangen, dennoch wollten wir uns insbesondere die Pyramiden nicht entgehen lassen. Der Aufstieg war echt anstrengend, wie Mexiko-Stadt auch liegt Tetihuacan über 2000m ü.N. (vielleicht spielt auch die Einbildung eine Rolle, dennoch bekommt man hier bereits nach wenigen Schritten Herzrasen und schlecht Luft). Der Ausblick entschädigte jedoch für die Mühe, schließlich bekam man einen schönen Blick über die gesamte Anlage.

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Estadio Azteca (Aztekenstadion):

Das Aztekenstadion im Süden Mexiko-Stadts ist eines der größten und geschichtsträchtigsten Fußballstadien weltweit. Je nach Quelle fasst das Stadion zwischen 87.000 – 106.667 Zuschauer, zu Hochzeiten 1986 fasste es sogar 114.000 Zuschauer.

Neben seiner imposanten Größe überzeugt das Stadion vor allem durch seine Geschichte: In keinem anderen Stadion weltweit fanden mehr WM-Spiele (19) sowie WM-Eröffnungs- und Finalspiele (jeweils zwei) statt. 1970 verlor Deutschland dort das WM-Halbfinale (alias ‘Jahrhundertspiel’) mit 4:3, 1986 sorgte Diego Maradona im Viertelfinale gegen England mit der ‘Hand Gottes’ sowie dem Jahrhunderttor für Schlagzeilen. 

Leider steht das heutige Aussehen ein wenig im Kontrast zur Historie, von welcher rein optisch nicht viel übrig geblieben ist. Mit Umbaubeginn im Jahr 2016 wird das Stadion kontinuierlich umgebaut, u.a. wurden die Stadionsitze ausgetauscht. Nun stellen die Stühle auf den Tribünen die Logos von Corona und Coca-Cola dar, leider schreitet auch in Mexiko die Kommerzialisierung des Fußballs voran. 

Glücklicherweise fiel unser Aufenthalt mit einem Heimspiel von Club America, einem der größten Vereine des Landes, zusammen. Vor 24.003 Zuschauern schlug die Heimelf den Gegner aus Monarcas im ‘TV-Derby’ (beide Vereine gehören Fernsehsendern) mit 2:1 (1:0). Die Stimmung war anders als in deutschen Stadien, neben vielen Fahnen beherrschen hier vor allem Trommeln und Trompeten die Fankurve. Insgesamt war sie dennoch enttäuschend, lediglich bei den Toren kam ein wenig Stimmung auf.

Estadio Olimpico Universitario:

Das Estadio Olimpico Universitario ist das zweitgrößte Fußballstadion in Mexiko-Stadt (die Kapazität liegt je nach Quelle bei 52.000 – 72.000 Zuschauern) und Heimspielstätte des Vereins Pumas UNAM, welcher ebenfalls in der ersten Liga in Mexiko spielt.

Im Gegensatz zum Aztekenstadion fällt dieses Stadion definitiv in die Kategorie ‘Oldschool’. Mit einer Laufbahn, dicken Flutlichtmasten und Sitzreihen aus Beton erfüllt es alle Kriterien, die ein Fußballerherz höher schlagen lassen. Geil!

Auch in diesem Stadion fand – Gott sei Dank – am Wochenende ein Erstligaspiel statt. Vor 15.235 Zuschauern schlug Pumas UNAM Lobes BUAP mit 4:2 (1:0). Sowohl das Spiel als auch die Stimmung waren wesentlich besser als am Vortag, grundsätzlich ist das Spielniveau hier dennoch ein anderes (schätzungsweise deutsches Zweitliganiveau).

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Wrestling in der Arena Mexico:

Wrestling (bzw. Lucha Libre, der mexikanische Name) ist eine Sportart, welche in Mexiko bereits seit 1930 praktiziert wird und einen hohen Stellenwert besitzt. Mexikanisches Lucha Libre zeichnet sich durch spektakuläre Flugmanöver aus, außerdem tragen viele Luchadores Masken.

Die Arena Mexico ist der größte Austragungsort von Lucha Libre in Mexiko-Stadt, bis zu dreimal wöchentlich finden hier Kämpfe statt. Natürlich ließen wir uns die Möglichkeit nicht nehmen und sahen uns dieses Spektakel an, welches mit 60 Peso (2,72€) auch ziemlich günstig war. 

Im Vergleich zum Wrestling aus dem Fernsehen war hier teilweise schon deutlich erkennbar, dass es sich um Schauspielerei und keine echten Kämpfe handelt. Dennoch war die Show unterhaltsam (und lustiger als erwartet) und der Besuch hat sich gelohnt. 

 

 

Torre Latinoamericana:

Der Torre Latinoamericana ist ein 44-stöckiger Wolkenkratzer im Zentrum der Stadt, bis 1972 war er sogar das höchste Gebäude in Mexiko-Stadt. Besonders an diesem Hochhaus ist die Aussichtsplattform auf der Spitze, welche einem je nach Wetter einen schönen Ausblick über die Stadt (mit Glück sogar auf die umliegenden Berge) ermöglicht. Da Eliza (eine Freundin von Milly) zufällig auch in Mexiko war und am selben Abend wieder nach Hause fliegen sollte, trafen wir uns und verbrachten den Montagnachmittag mit ihr.

Ausblick vom Torre Latinoamericana Richtung Zocalo

 

Nach dreieinhalb erlebnisreichen Wochen ist für uns vorerst das Kapitel Mexiko erstmal beendet und wir begeben uns nach Südamerika, genauer gesagt in die peruanische Hauptstadt Lima!

 

Milly & Marcel

Wir sind Milly und Marcel

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