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Konzentrationslager Auschwitz

Das Konzentrationslager Auschwitz:

Ein Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz stand schon lange auf unserer To-do-Liste, eine Konfrontation mit dem schwärzesten Kapitel unserer Geschichte. Die Stadt Oswiecim (dt.: Auschwitz) liegt rund 60km westlich von Krakau, sodass wir uns im Vorfeld bereits Tickets organisierten und von Krakau aus mit dem Bus dorthin fuhren.

Eine kurze Erklärung: Der Lagerkomplex in Auschwitz besteht aus drei Teilen. Neben dem Stammlager Auschwitz I (Konzentrationslager) existieren noch ein weiteres Konzentrationslager (Auschwitz III Monowitz) sowie das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau II. Die Konzentrationslager waren dabei primär zur Versammlung und Gefangenschaft gedacht, aus diesen Lagern heraus arbeiteten die Menschen in umliegenden Fabriken oder beim Ausbau des Lagers. Das Vernichtungslager hingegen war zur systematischen Vernichtung der Menschen errichtet worden.

Der Besuch der Gedenkstätte erfordert ein wenig Vorarbeit, denn jährlich wollen mehr Menschen das Museum besuchen, sodass der Zutritt beschränkt wird. Man kann das Museum entweder auf eigene Faust besuchen, oder aber zwischen unterschiedlich langen geführten Touren wählen. Da uns im Vorfeld eine solche geführte Tour empfohlen wurde buchten wir eine sechsstündige Führung, aber dazu mehr im Schlussteil.

Teil 1: Stammlager Auschwitz I

Die zweigeteilte Führung beginnt im Stammlager Auschwitz I. Zu Beginn betritt man das Lager durch den Haupteingang, über dem der berühmte Schriftzug ‚Arbeit macht frei‘ hängt. Zwar kannte man diesen Spruch bereits im Vorfeld, dennoch erzeugte dieser zynische Spruch gleich ein komisches Gefühl, man ahnte schließlich was sich dahinter verbergen sollte.

Das Stammlager wurde auf dem Gelände einer ehemaligen polnischen Militärkaserne errichtet und besteht daher aus einer Reihe von Backsteingebäuden, die Blöcke.  Die Besichtigung begann in zwei Blöcken, welche als Ausstellung über die Ankunft der Menschen (zumeist Juden) im Lager berichteten. Während der Tourguide einem wissenwertes erzählte durchliefen wir die Räumlichkeiten.

Den Insassen des Lagers wurde mit Ankunft im Lager zunächst das Gepäck und später die Kleidung abgenommen. Anschließend wurden die Haare geschoren und die Registrierungsnummer auf den Oberarm (bei Kindern auf den Oberschenkel) tätowiert.

Abschließend erhielten die Gefangenen Häftlingskleidung (blau-weiß gestreift), auf welchen Zeichen (z.B. der berühmte Stern oder verschiedenfarbene Dreiecke) ihren Haftgrund zeigten.

Neben Fotografien dieser Szenen enthielten die Räume Vitrinen mit den Dingen, die den Menschen abgenommen wurden. So ging man beispielsweise einen Flur entlang, rechts und links davon türmten tausende von Paar Schuhen. Auch Brillen, Schmuck oder aber Berge von Haaren wurden ausgestellt. Diese Haare wurden übrigens zu Stoffen weiterverarbeitet, aus welchen Kleidung gefertigt wurde. 

In Auschwitz kamen zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen um, dennoch zeigten einem diese Berge eine erste Idee, was diese Zahl wirklich konkret bedeuten könnte.

Ebenfalls erschreckend war ein Flur, welcher komplett mit Bildern (aufgenommen mit Eintritt in das Lager) von getöteten Menschen inklusive Eintritts- und Todesdatum behangen war. Kaum eine Person überlebte mehr als ein Jahr im Lager.

Ein weiterer Raum thematisierte die Vernichtung in Gaskammern mit Zyklon B. Neben einem großen Modell einer Gaskammer waren dort Haufen von leeren Zyklon B-Dosen ausgestellt. Unser Guide berichtete dabei, dass ungefähr 5-7 kg zur Tötung von 1000 Menschen verwendet wurden, bestellt waren 20 Tonnen.

Im Anschluss ging es nun in den berühmten Block 11 (Todesblock), welcher innerhalb des Lagers als Gefängnis diente. Neben Räumen für den Blockführer bestand das Gebäude aus Zellen unterschiedlichster Art. Neben ‚klassichen‘ Zellen gab es so z.B. Dunkelzellen, welche nur ein sehr kleines Loch in der Außenwand enthielten. Durch dieses Loch gelang nicht genug frische Luft in die Zelle, die Häftlinge erstickten.

Ein anderer Raum bestand aus vier Stehzellen, welche nur 90x90cm groß waren. Dort mussten die Häftlinge nach der Arbeit die Nächte ausharren, dies oft mehrere Nächte lang.

 In diesen Räumen war das fotografieren verboten, daher haben wir hier keine Bilder davon.

Vom Erdgeschoss des Block 11 aus führt ein Seitenausgang auf den Hof zwischen Block 10 und 11, an dessen äußerem Ende die ‚schwarze Wand’ oder ‚Todeswand‘ liegt. An dieser Wand wurden die Todesurteile des KZ-Gerichtes vollstreckt, über 20.000 Menschen starben hier durch Kopfschüsse.

Nächste Station der Besichtigung war ein weiterer Block, in welchem eine Ausstellung über die Juden in Europa aufgebaut wurde. Hier wurden allerlei interessante Dinge gezeigt (wo kamen die Juden her, wie viele waren sie?), auch jüdische KZ-Überlebende kamen zu Wort. Hier besonders beeindruckend war ein Raum, in welchem viele Videosequenzen ehemaliger Deutscher ‚Politiker‘ gezeigt wurden. Sowohl die hirnrissigen Aussagen als auch der darauf folgende Jubel der Bevölkerung machten sprachlos. Ebenfalls erschreckend war ein riesiges Buch, in welchem die 4 Millionen Namen der bekannten Opfer (von insgesamt ca. 6 Millionen Opfern) inklusive Wohnort abgedruckt wurden.

Ein anderer Block zeigte die Unterbringung der Häftlinge in den Blöcken. Neben Räumen, die mit dreigeschössigen Etagenbetten vollgestellt waren (auf welchen aber jeweils weitaus mehr als drei Personen schlafen mussten), wurden auch die Sanitärräume gezeigt. Ohne Abtrennung waren beispielsweise mehrere Toiletten im selben Raum installiert.

Den Abschluss der Stammlagerbesichtigung bildete die Gaskammer und das Krematorium. Beides wurde in einem ehemaligen Munitionsbunker neben dem Lager installiert. 

Die Gaskammer wurde von Dezember 1941 bis Mai 1942 betrieben, danach wurden die Vergasungen im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau durchgeführten.

Die Gaskammer besteht aus einem großen Raum, in dessen Decke Einschüttlöcher eingebaut waren, durch welche das Zyklon B eingeworfen wurde. Einen Raum weiter befindet sich das Krematorium, in welchem heute zwei rekonstruierte Verbrennungsöfen die Verbrennung der Leichen aus dem Stammlager veranschaulichen. Ungefähr 36.000 Leichen sind in diesem Krematorium verbrannt worden.

Dies war die Gaskammer, an der Decke sind die Einschüttlöcher sichtbar.

Via Shuttle-Bus wurden wir anschließend zum Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gefahren, welches ca. 3km entfernt vom Stammlager liegt. Zunächst ging es in den ehemaligen SS-Wachturm, welcher einen einen ersten Überblick über das riesige Gelände verschafft. Unterhalb dieses Wachturms verlaufen die Schienen, auf welchen die Deportationszüge die Opfer in das Lager bis zu den Rampen brachten.

Vom Turm aus konnte man gut die unterschiedlichen Baracken sehen, vom Turm aus gesehen links waren gemauerte Baracken gebaut worden, rechts vom Turm wurden später provisorische Holzbaracken errichtet. 

Die Holzbaracken waren mit dreistöckigen Betten vollgestellt, pro Etage schliefen 5-7 Menschen (also 15-21 pro Etagenbett), im Überfüllungsfall sogar bis zu 10 Personen.

Die Sanitärbaracke war für eine ganze Reihe von ‚Wohnbaracken‘ da, die Löcher auf dem Bild waren z.B. die Toiletten.

Wir besichtigten auch eine besondere gemauerte Baracke, die sogenannte ‚Todesbaracke‘. Hier wurden (in diesem Fall weibliche) nicht-arbeitsfähige Menschen eingesperrt, um sie anschließend zu töten. Die Menschen erhielten dabei keine Nahrung, kein Wasser und keine Medikamente.

Nun gingen wir zur Rampe, an welcher die Deportationszüge anhielten und die Insassen ‚selektiert‘ wurden, d.h. sie wurden in arbeitsfähige und nicht-arbeitsfähige Gruppen geteilt. Die Arbeitsfähigen wurden anschließend in die Wohnbaracken geleitet, dabei jedoch streng nach Haftgrund und Geschlecht geteilt. Familien wurden also getrennt und einzeln in Lager gesperrt.

Die Nicht-Arbeitsfähigen wurden entweder direkt in die Gaskammern geleitet oder in den Todesbaracken ‚geparkt‘. Die Häftlinge wussten dabei bis kurz vor dem Ende nicht, dass sie getötet werden sollen. Stattdessen wurde ihnen erzählt, sie würden in eine Badeanstalt gehen.

Die vorletzte Station der Tour machte an den ehemaligen Gaskammern und Krematorien II + III halt. Sämtliche Gaskammern und Krematorien wurden kurz vor der Lagerbefreiung entweder von der SS gesprengt oder von jüdischen Sonderkommandos angezündet. Daher kann man heute ‚nur‘ anhand der Ruinen den damaligen Aufbau erahnen.

Zwischen beiden Ruinen wurde nach der Lagerbefreiung ein Mahnmal errichtet. Vor dem Mahnmal liegen Gedenktafeln in allen Sprachen, welche die Opfer sprachen. Deshalb auch auf Deutsch:

Die Tour endete in der Sauna, der Aufnahmestelle des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Hier wurde den Ankömmlingen ihre Sachen abgenommen (welche desinfiziert und nach Deutschland für die Zivilbevölkerung geschickt wurden), die Haare geschoren und die Registrierungsnummern tätowiert. Abschließend wurden sie geduscht (zur Schikanierung mit eiskaltem oder kochend heißem Wasser) und mit Lagerkleidung bekleidet.

 

Unser Fazit:

Zunächst würden wir jedem den Besuch in Kombination mit einer geführten Tour raten. Zwar erzählen die Tafeln einem dort auch einige Geschichten, mit denen der Guides ist dies jedoch nicht zu vergleichen. Und das obwohl unser Guide (eine Polin in den Mittsechzigern) teilweise schwer zu verstehen war und ein wenig unter Zeitdruck stand, so konnte man sich leider nicht immer alles durchlesen.

Aber auch so würden wir Jedem den Besuch des Konzentrationslagers empfehlen. Gerade aufgrund unserer Geschichte gehört es zum Pflichtprogramm, sich mit diesem Kapitel zu beschäftigen. Und auch wenn man oftmals nicht fassen kann, was an diesen Orten passiert ist (und wie viele Menschen dort unschuldig starben), hilft es einem dennoch wesentlich, sich dies vor Augen zu führen!

Marcel 

Wir sind Milly und Marcel

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