Mittel-/Südamerika,  Reisetagebuch

Iquitos

Mit dem Frachtschiff nach Iquitos! 

Unser erstes großes Abenteuer haben wir hinter uns: Unsere Fahrt nach Iquitos, in einer Hängematte auf einem Frachtschiff!

Aber von Anfang an: 

Yurimaguas ist die letzte Stadt vor dem Dschungel, direkt am Amazonas gelegen. Die Straße endet dort, weiter geht es nur per Flugzeug oder per Schiff auf dem Amazonas. Wir jedoch wollten weiter nach Iquitos, einer 400.000 Einwohner Stadt im peruanischen Regenwald. Fliegen ist in Peru, wahrscheinlich auch aufgrund der weiten Distanzen, kein billiges Vergnügen, außerdem lässt man dabei alles zwischen Start und Ziel aus und steigt in einer anderen Welt wieder aus. Wir entschieden uns für die abenteuerlichere Variante – das Frachtschiff. Die Frachtschiffe verkehren regelmäßig zwischen Yurimaguas und Iquitos und versorgen die Dschungelstadt mit allerhand Lebensmitteln, unter Einheimischen sind sie auch ein beliebtes Transportmittel.

Per Collectiva ging es für uns nach Yurimaguas, rein in das Motorrad-Taxi und ab zum Markt. Zwei Hängematten, zwei Moskitonetze, 10 Literwasser, Obst und ein paar Snacks standen auf unserer Einkaufsliste. Mit unserem bisschen Spanisch navigierten wir den Taxifahrer entsprechend unserer Einkaufsliste und dieser wartete jeweils auf uns. Keine halbe Stunde später befanden wir uns dann auf dem Weg zum Hafen!

Im Vorfeld hatten wir uns über unser etwas anderes Transportmittel erkundigt und gelesen, dass die Transportgesellschaft “Eduardo” sich hierfür am besten eignen sollte, also wollten auch wir mit ihnen fahren. Am Hafen empfing uns direkt ein ‘Guia Turismo’ und erklärte uns, das Schiff würde erst in zwei Tagen abfahren. Wir könnten im Hostel auf die Abfahrt warten, oder direkt auf das Schiff gehen und dort kostenlos übernachten. Wir überlegten nicht lange (sind ja schließlich als Sparfüchse unterwegs), also zeigte er uns das Schiff und befestigte – natürlich gegen ein kleines Trinkgeld – unsere Hängematten fachgerecht, sodass wir die Nächte über keine Bekanntschaft mit dem Boden machen mussten.

Die erste Nacht verlief überraschend ruhig und problemlos, am nächsten Morgen wollten wir ein wenig die Stadt erkunden und etwas Essbares besorgen, Verpflegung an Bord gab es nämlich erst ab der Abfahrt.  Den Entschluss gefasst legte unser Schiff auf einmal ab.. Los konnte es jedoch nicht gehen, da wir noch nicht mal zur Hälfte beladen waren. Unser Taxifahrer erzählte gestern irgendwas von einem Hafen 10km außerhalb, das hatten wir verstanden. Den Teil, dass unser Schiff dort zur Beladung hinfährt jedoch nicht… zum Glück sind wir nicht von Board gegangen! Nach einer halben Stunde fahrt tauchte ein Hafen im Nichtsauf, an welchem bereits LKW’s auf die Entladung warteten. Unser Schiff legte an und die Beladung begann, unser Plan war jedoch hinfällig. Ein kleines Zelt am Hafen verkaufte mittags Essen sowie Snacks, wir schlugen wir uns mit Reis und Muffins durch.

Während wir den restlichen Tag auf dem Schiff entspannt auf die Abfahrt warteten, spielten sich vor dem Schiff schweißtreibende Szenen ab. Wer jetzt denkt wir leben im 20. Jahrhundert und es kann ja nicht so lange dauern ein einziges Frachtschiff zu beladen – in Europa werden Frachtschiffe per Joystick beladen, in Peru von Hand. Männer pendelten bei Temperaturen über 30Grad zwischen den LKW’s und dem Schiff wie kleine Ameisen, beladen mit großen Säcken voller Reis, Orangen oder Eiern. Das Schiff füllte sich dennoch nur sehr langsam und die Arbeit schien kein Ende zu nehmen. Für uns war dies ein Einblick in eine völlig andere Welt und haben nur an die Menschen in Deutschland gedacht, die sich jeden Tag beschweren wie viel sie nicht arbeiten müssen – wir sollten uns glücklich schätzen!

Laut unserem Kapitän stand die Abfahrt für den kommenden Tag um 16:00 Uhr auf dem Plan und tatsächlich füllte sich das Schiff langsam mit weiteren Mitfahrern. Gegen 17:00 Uhr besuchte uns der Kapitän ein weiteres Mal und sprach ein paar Spanische Sätze, anschließend brach Unruhe aus. Was war denn nun los? Ein Deutscher Mitreisender übersetzte für uns, wir sollten unsere Hängematten abhängen und unsere Sache zusammenpacken. Alle Sachen wurden auf einem Haufen gesammelt und unter einer Plane versteckt, für uns ging es ein Deck tiefer in den Frachtraum. Es stand eine Kontrolle an, scheinbar ist das Mitfahren nicht ganz offiziell. Zwischen Gemüse und Eiern versteckt warteten wir die Kontrolle ab und hingen eine Viertelstunde später unsere Hängematten mit einem Grinsen im Gesicht erneut auf.

Wenig später (in Südamerika pünktlich – in Deutschland zwei Stunden zu spät) setzte sich das Schiff ein zweites Mal in Bewegung – dieses Mal wirklich Richtung Iquitos! Unser Abenteuer begann – jetzt gab es kein zurück mehr.. 

Die kommenden zwei Tag gestalteten sich ähnlich: aufstehen – essen – in der Hängematte liegen – schlafen – essen – die Landschaft beobachten – essen – schlafen. Die Möglichkeiten auf einem Schiff sind natürlich sehr begrenzt, zusammen mit anderen Mitreisenden lies sich die Zeit jedoch ganz gut vertreiben. Da wir (zumindest teilweise) noch keinen Plan haben, wie sich unsere berufliche Zukunft gestalten soll, blieb ebenfalls viel Zeit zum nachdenken, schließlich muss es nach der Reise (auch wenn das jetzt noch weit weg scheint) ja weitergehen. 

Das Wetter schlägt im Azamonasgebiet wahnsinnig schnell um, während im einen Moment die Sonne am blauen Himmel scheint und es furchtbar heiß ist, fällt es 15 Minuten später aus allen Wolken. Dies sollte sich am letzten Reiseabend ein weiteres Mal bestätigen. Als das Schiff sehr nah am Ufer vor einem Haufen Gestrüpp stoppte, dachten wir zunächst an einen Fahrfehler des Kapitäns auf Grund der bescheidenen Lichtverhältnisse. Ein wenig später stellte sich jedoch heraus, dass wir hier aus Sicherheitsgründen hielten, da ein Gewitter aufzog. Noch nie haben wir ein so starkes Gewitter so hautnah miterlebt. Nach einer halben Stunde zog das Gewitter langsam wieder ab und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen.

In den frühen Morgenstunden erreichten wir den Hafen von Iquitos, um 06:00 Uhr morgens mussten wir das Schiff verlassen. Für uns ging es mit dem Motorrad-Taxis zum Hostel, in welchem wir glücklicherweise sofort einchecken konnten und das Frühstücksangebot gerne wahrnahmen (das beste Frühstück bisher mit festem(!) Brötchen und viel Obst).

Für uns geht es nun in den Regenwald!

 

Milly & Marcel

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Wir sind Milly und Marcel

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