Mittel-/Südamerika,  Reisetagebuch

Huaraz

Unser erstes Mal in den Bergen!

Von Lima aus führt der klassische Weg Richtung Cuzco, wir entschieden uns jedoch für einen Besuch im Norden Perus. Ca. 400km nördlich der Hauptstadt liegt das beschauliche Städtchen Huaraz mit knapp 55.000 Einwohnern mitten in den peruanischen Anden. Huaraz liegt ungefähr 3100m über dem Meeresspiegel und damit höher als die Zugspitze!

Kein Wunder also, dass Huaraz vor allem als Paradies für Wanderer und Bergsteiger berühmt ist. Huaraz kann als Ausgangspunkt für viele verschiedene Touren und Treks verwendet werden, und so wagten auch wir uns in die Berge!

 

Unser Hostel:

In Huaraz wählten wir das Andescamp Hostel, von welchem wir in einem anderen Blog gelesen hatten und welches empfohlen wurde. Wir schliefen in einem Vierbettzimmer, welches wir jedoch nur in den ersten beiden Nächten teilen mussten. Das Hostel besaß relativ viele Zimmer, aufgrund der Nebensaison (welche scheinbar war) war es jedoch kaum besucht.

Ein großer Vorteil des Hostels war, dass es mit Touranbietern zusammenarbeitete und man daher die Touren spontan und relativ günstig direkt über das Hostel buchen konnte. Theoretisch hätte man auch Ausrüstung über das Hostel leihen können, dies brauchten wir jedoch nicht.

Ab einer Höhe von 2500m wird das Thema ‘Höhenkranheit’ relevant, ein für uns komplett unbekanntes Gebiet. Die Symptome können von Betroffenem zu Betroffenem unterschiedlich sein, meistens handelt es sich um Kopfschmerzen, manchmal kombiniert mit Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Atemnot. Es gibt zwei relevante Mittel gegen die Höhenkrankheit, zum einen eine ausreichende Akklimatisierung. Wir machten daher bspw. am ersten Tag quasi nichts, und auch zwischen den Touren genehmigten wir unseren Körpern ausreichend Pause. Zum anderen wir das Trinken von Koka-Tee empfohlen, einem bekannten Allzweckheilmittel. Wir kauften uns die Blätter direkt im Supermarkt, in den meisten Ländern der Welt sind sie übrigens illegal (der enthaltene Kokainanteil ist jedoch verschwindend gering, eine stimulierende Wirkung ist quasi nicht erreichbar) und tranken viel Tee, welcher nicht so eklig schmeckte wie man oft hörte. Ob der Tee half wissen wir nicht, wir blieben dennoch von der Höhenkrankheit weitestgehend verschont.

 

Was es zu sehen gab:

Huaraz ist eine relativ junge Stadt, welche im 16. Jahrhundert von spanischen Eroberern gegründet und 1941 sowie 1970 durch Naturkatastrophen weitestgehend zerstört und neu aufgebaut wurde. Aus diesem Grund bietet die Stadt keine historischen Sehenswürdigkeiten oder Gebäude, stattdessen bilden vor allem die umliegenden Berge die Hauptattraktionen. Dennoch hat sich auch ein kleiner Gang durch die kleine lebendige Stadt und deren ‘Plaza de Armas’ gelohnt.

 

Plaza de Armas:

Der Hauptplatz der Stadt wird auch in Huaraz von vielen Einheimischen als Treffpunkt genutzt, außerdem befindet sich die Kathedrale der Stadt direkt nebenan. Besonders mit den Bergen im Hintergrund ist die Plaza wahnsinnig schön anzusehen.

 

Die peruanische Küche:

In Huaraz wagten wir uns an eine der typischen Speisen des Landes, Lomo Saltado (dt.: ‘springendes Fleisch’). Es erinnert uns ein wenig an heimisches Gulasch oder Geschnetzeltes, besteht es doch hauptsächlich aus kleinen Fleischstücken und Zwiebeln sowie Reis und Pommes als Beilage.

Besonders um die Mittagszeit kann man hier wahnsinnig günstig und trotzdem lecker essen. Die meisten Gerüchte werden als Menü mit Vorspeise (großer Teller Suppe) und Getränk angeboten, wir zahlten etwas über 3,50€ pro Menü und waren pappsatt!

Millys Geburtstagsessen

 

Estadio Rosas Pampa:

Mitten im Zentrum der Stadt befindet sich das ‘Estadio Rosas Pampa’, Heimspielstätte des peruanischen Erstligisten ‘Club Sport Rosario de Huaraz’. Glücklicherweise hatten diese ein Heimspiel während unserer Aufenthaltes, sodass Marcel sich die Gelegenheit nicht nehmen las und sich das Spiel anschaute. Für umgerechnet 3,50€ gab es einen Platz auf der Haupttribüne, insgesamt fanden 837 Zuschauer in das Stadion.

Das Stadion fasst 18.000 Menschen und war angenehm abgerantzt, besonders die alten Flutlichtmasten konnten punkten. Das Spiel aber war unfassbar zäh und eigentlich einseitig, dennoch handelten sich die Gastgeber in der zweiten Halbzeit den Ausgleich ‘wie aus dem Nichts’ ein. Es gab in einem eigentlich fairen Spiel vier rote Karten und auch sonst gab der Schiedsrichter ein komisches Bild ab, nach dem Spiel mussten er und seine Kollegen von einem Mob Polizisten in die Kabine begleitet werden.

Passend zum Spiel erhielt ich am Kassenhäuschen eine Karte von einem ganz anderen Spiel (Rückrunde der letzten Saison, Mitte August), wahrscheinlich müssen hier erstmal die Restbestände aufgebraucht werden.

 

Lagune Wilcacocha:

Die Lagune Wilcacocha befindet sich ca. 9km südlich von Huaraz und wird oft als ‘Anfänger’- oder ‘Akklimatisierungstour’ bezeichnet. Da wir bisher noch nie Kontakt zu den Bergen hatten, sahen wir dies als guten Einstieg an und machten uns am zweiten Tag auf zur Lagune. Mit dem Colectivo ist der Anfang der Tour super leicht erreichbar, die Colectivos fahren minütlich in Huaraz los.

Die Lagune Wilcacocha befindet sich auf 3720m, die Höhe des Startpunktes ist leider nicht genau nachvollziehbar. Die ca. 500 Höhenmeter bzw. den 3,2km langen Weg soll man gut in zwei Stunden hoch bzw. eine Stunde runter schaffen können, also erwarteten auch wir einen eher entspannten Aufstieg. Scheinbar befanden wir uns jedoch in keiner guten körperlichen Verfassung und auch mit der Höhe hatten wir so unsere (Atem)probleme. Nach ungefähr drei Stunden erreichten wir total erschöpft die Lagune. Begrüßt von einem Lama genossen wir die Aussicht und schossen ein paar Bilder.

Die Wanderung ist wirklich schön, zwischenzeitlich läuft man bspw. durch ein kleines Dorf, in welchem Menschen in einfachen Hütten leben. Bauern bewirtschaften hier kleine Felder noch mit einfachsten Mitteln (z.B. einem Pflug und zwei Ochsen) und führen ein einfaches, aber wahrscheinlich glücklicheres Leben. Die Lagunge an sich ist eher wenig spektakulär, der Ausblick dafür umso mehr. 

 

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Pastoruri-Gletscher:

Eine vom Hostel angebotenen Tour führt zum Gletscher Pastoruri, der Hostel-Besitzer empfahl diese als leichte und entspannte Tour. Der Gletscher liegt südlich von Huaraz im Nationalpark Huascaran, mit dem Van fuhren wir ca. zwei Stunden dorthin. Die meiste Zeit fuhren wir auf einem Schotterweg in Richtung der Berge, zwischendurch machten wir einen Stop an einigen ‘Pula raymondii’-Pflanzen. Diese Pflanzen sind besonders, da sie zum einen die Pflanzen mit den längstem Blütenstand weltweit (bis zu acht Meter) sind, zum anderen blühen sie in ihrem langen Leben (bis zu 100 Jahre) nur ein einziges Mal für 9 Monate.

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Anschließend fuhr der Van bis auf einen Kilometer an den Gletscher heran, welcher sich auf über 5000m befindet. Dieser Kilometer war nichtsdestotrotz sehr anstrengend, da der Weg auf und ab führte und die Luft merklich dünner und daher die Atmung noch schwieriger war. Am Ziel angekommen konnten wir dann den riesigen Gletscher begutachten, welcher leider Jahr für Jahr weiter schmilzt und daher nicht mehr lange existieren wird.

 

 

 

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Eigentlich wollten wir in Huaraz zudem die Lagune 69 besuchen, einen der berühmtesten Orte der Region. Die Lagune befindet sich auf 4500m Höhe und besitzt wunderschön türkisfarbenes Wasser. Leider soll der Aufstieg dahin noch wesentlich härter sein als der zur Lagune Wilcacocha oder zum Gletscher, daher entschieden wir uns mit weinenden Augen gegen den Besuch. Dennoch haben wir in Huaraz sechs schöne Tage verbracht und einiges erlebt!

Wir arbeiten uns nun weiter Richtung Norden vor, unser nächster Halt wird Trujillo sein. Bis dann!

 

Milly & Marcel

Wir sind Milly und Marcel

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