Asien,  Reisetagebuch

Darjeeling

Der Name ‚Darjeeling‘ war mir – und ist wahrscheinlich auch vielen anderen – durchaus ein Begriff, immerhin gehört der Darjeeling-Schwarztee zu den besten und beliebtesten Teesorten und ist auch in unseren Supermärkten zu finden. Von der Herkunft des Tee und der namensgebenden Region sowie dem Ort Darjeeling hatte ich hingegen keine Ahnung. Als ich bei der Planung meiner Route dann über den Ort und dessen für mich günstige Lage (zwar nicht direkt auf dem Weg, aber gut in diesen zu integrieren) gestolpert war, entschied ich mich direkt für einen kurzen Besuch!

Die Stadt Darjeeling hat ungefähr 120.000 Einwohner, dennoch hat man eher das Gefühl, in einer Kleinstadt angekommen zu sein. Durch seine Lage am Fuße des Himalaya-Gebirges auf 2100m besitzt Darjeeling nicht nur ein optimales mildes Klima für den Anbau von Tee, auch sonst gilt es für viele Inder als Zufluchtsort in der heißen Jahreszeit.

Die Anreise wurde leider zu einem richtigen Abenteuer, dieses begann zunächst mit meiner ersten indischen Zugfahrt! Zugfahren in Indien ist für jedenfalls Touristen sicherlich ein Muss, hat doch jeder die Bilder von überfüllten Zügen und Menschen auf den Dächern im Kopf. Ganz so schlimm ist es in Wahrheit nicht, je nach Klasse (insgesamt gibt es acht verschiedenen Kategorien) kann es (angeblich) sogar ziemlich bequem sein. Ich fuhr in der günstigen Sleeperklasse und so hatte ich zwar für die Nacht eine Liege, dafür aber auch sehr viele Mitfahrer. Allgemein gilt die Sleeperklasse als günstige und abenteuerliche Klasse mit Reservierung (also theoretisch nur einem Menschen pro Liege, praktisch befinden sich trotzdem zwei bis dreimal so viele Menschen im Abteil). 

Meine erste Zugfahrt also war relativ bequem, leider gehören Verspätungen zum ‚Erlebnis Zug‘ dazu und so erreichte ich mein Zwischenziel erst nach 16 anstatt nach geplanten zehn Stunden. Im Anschluss sollte noch eine dreistündige Jeepfahrt vom Bahnhof nach Darjeeling, welches keinen eigenen richtigen Bahnhof besitzt, führen. Dank mehrerer Pannen verdoppelte sich die Fahrtzeit und so erreichte ich Darjeeling erst nach fast einer ganzen Tagesreise.

Direkt aufmuntern konnte mich glücklicherweise meine Unterkunft, ein Homestay (also ein Zimmer in einem privaten Haus) mit nettem Begrüßungstee und typisch indischem, super leckerem Essen!

Was es zu sehen gab:

Darjeeling Ropeway:

Bereits auf dem hellen Teil der Jeepfahrt konnte ich die unzähligen Teefelder an den Berghängen sehen, dennoch bietet eine alte Seilbahn im Norden der Stadt noch einmal einen sehr viel schöneren Ausblick. Die Seilbahn stammt aus dem Jahr 1968 und macht absolut keinen sicheren Eindruck (hinterher las ich auch von einem tödlichen Gondelabsturz 2003), dennoch war es der Ausblick auf die Felder und die dort arbeitenden Erntehelfer definitiv wert!

 

Happy Valley Tea Estate:

Nur wenige Meter von meinem Homestay entfernt liegt die wohl beliebteste und meistbesuchte der insgesamt über 70 Plantagen, das ‚Happy Valley Tea Estate‘. Für gerade einmal 1,20€ bekommt man dort zur Begrüßung einen unfassbar leckeren Teegeruch, im Anschluss eine kleine Führung durch die Verarbeitungshalle (leider war hier das Fotografieren verboten) und abschließend noch eine Teeverköstigung von unterschiedlichen Schwarz-, Weiß- und Grünteesorten (welche alle aus dem selben Blatt gemacht werden). Die Führung war ziemlich schwierig zu verstehen (der auswendig gelernte Text wurde ziemlich undeutlich und schnell vorgetragen), dennoch war die überraschend einfache und schnelle Verarbeitung vom Blatt zum Tee nachvollziehbar.

 

Stadtzentrum:

Auch das Zentrum der Stadt ist zweifelsfrei nett anzuschauen, an den teilweise ordentlich steilen Wegen befinden sich viele kleine Läden und Restaurants. Irgendwie wurde ich ein wenig an Huaraz in Peru erinnert.

 

Der anstrengenden und ätzenden Anreise zum Trotz war meine Zeit in Darjeeling sehr idyllisch und die schöne Aussicht gepaart mit den kühleren Temperaturen (tagsüber ~25 Grad) hat den Besuch auf jeden Fall lohnenswert gemacht!

Marcel

Wir sind Milly und Marcel

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