Mittel-/Südamerika,  Reisetagebuch

Chachapoyas

Lebend in Chachapoyas angekommen!

Nach der bisher wohl abenteuerlichsten Busfahrt sind wir tatsächlich lebend in Chachapoyas angekommen, für uns war dies nicht immer hundertprozentig sicher. Die Fahrt dauerte (inkl. Pausen) über elf Stunden und führte die meiste Zeit einspurig Berge rauf und runter, die Klippen am Straßenrand waren unser ständiger Begleiter. Phasenweise ging es einen halben Meter neben der Straße sicherlich einige hundert Meter hinab, sodass wir meistens auf einen Blick aus den Fenstern verzichteten.

Positiv an der Fahrt war jedoch die Tatsache, dass neben uns noch ein weiteres zumindest halb-deutsches Paar mitfuhr: Manuel aus Ravensburg sowie seine peruanische Freundin Alejandra. Die beiden sollten uns den gesamten Aufenthalt über in Chachapoyas begleiten und diesen so, unabhängig vom Ort, wirklich richtig cool werden lassen.

 

Unser Hostel:

Unser Hostel in Chachapoyas hörte auf den Namen ‘Chacha International’ und machte, in der Nähe der Plaza gelegen, durch viele Flaggen über dem Eingang seinem Namen alle Ehre. Die Gäste ist Hostel waren eher weniger international, (wahrscheinlich) aufgrund der Jahreszeit sind die Hostels eigentlich überall nur spärlich besucht. Neben zwei Quotendeutschen (wirklich in fast jedem Hostel oder Ort findet man Deutsche) konnten wir kaum andere Gäste ausmachen, uns sollte die Ruhe aber wenig stören.

Ein Gast wird uns dennoch in Erinnerung bleiben: Beim Kochen in der Küche (was wir in den vier Tagen jedoch nur einmal machten) schlüpfte plötzlich eine kleine Maus in ein Loch im Holzboden, anschließend schaute sie immer mal wieder raus und zeigte sich am Ende für ein Foto nochmal komplett. Bei uns schlug die Begeisterung nicht unbedingt Wellen, im Nachhinein war es dennoch ganz witzig.

Da das Doppelzimmer preislich nicht von zwei Betten im Mehrbettzimmer zu unterscheiden war, konnten wir uns im Zimmer frei-chaotisch bewegen und die vier Nächte zudem entspannt schlafen. Die Bäder waren frisch renoviert und die Duschen warm und druckvoll, wir würden dort sicherlich wieder einkehren.

 

Was gab es zu sehen:

Wie bereits angesprochen lernten wir im Bus Manuel und Alejandra kennen, mit den beiden testeten wir u.a. viele Restaurants in der Stadt (Essen, gerade zur Mittagszeit, ist in peruanischen Restaurants oft sehr günstig). Manuel konnte glücklicherweise spanisch sprechen und uns die jeweiligen Karten übersetzen, sodass wir auch die ein oder andere Neuigkeit probieren konnten. Eigentlich wollten Manuel und Marcel gerne Meerschweinchen (span. Cuy, vor Ort eine Delikatesse) essen, dies war jedoch (glücklicherweise) nie im Hause. Wir probierten aber Rinderherzen (auch Milly!), außerdem bekam Milly in einem Restaurant (endlich mal wieder) ein richtiges Stück Schweinefleisch. In Peru isst man sonst manchmal Fisch oder Rind, meistens aber Hühnchen, Hühnchen und Hühnchen. Kulinarisch war Chachapoyas bisher definitiv das Beste!

 

Gocta-Wasserfall:

Rund um Chachapoyas befinden sich eine Menge Sehenswürdigkeiten, die Touranbieter haben eine ganze Palette an Möglichkeiten zu bieten. Wir entschieden uns zunächst für den Gocta-Wasserfall, immerhin mit 771m der drittgrößte Wasserfall der Welt!

Die Tour startete morgens um 09:00 Uhr, zunächst fuhren wir ca. eine Stunde bis in das Dorf Cocachimba. Dort wurden wir an einem Restaurant abgesetzt, bestellten dort unser Mittagessen vor und trafen anschließend unseren Guide. Nach einem kleinen Vortrag liefen wir los, bis zum Wasserfall waren es noch 5km. Die Gruppe verteilte sich schnell, sodass wir den Guide eigentlich erst kurz am Wasserfall bzw. später im Restaurant wiedertrafen.

Der Weg zum Wasserfall gestaltete sich wesentlich anstrengender als erwartet, auf dem Weg dorthin muss man mehrere Berge hinauf- und wieder hinunterklettern, auf halber Strecke setzte zudem noch starker Regen ein. Nach ca. zwei Stunden kamen wir endlich am Wasserfall an, welcher schon wahnsinnig imposant ist. Er ist nicht sonderlich breit, dafür aber sehr hoch. Durch den Regen und den Wind floss der Wasserfall stärker als normal, sodass man leider nicht komplett an das Wasser heranlaufen konnte. 

Der Rückweg war leider nicht weniger anstrengend, ein Großteil unserer Gruppe nahm sich ein Pferd und ließ sich den Weg tragen. Wir würden lügen wenn wir sagen, dass wir uns zeitweise kein Pferd gewünscht hätten, jedoch wollten wir darauf verzichten, die Tiere zu quälen und haben es am Ende auch so geschafft. Insgesamt war der Blick auf den Wasserfall beeindruckend, der Besuch lohnt sich definitiv!

Manuel unterhielt sich kurz mit einer Restaurantbesitzerin, welche ziemlich auf die Touranbieter schimpfte. Diese gäben den Restaurantbesitzern sehr wenig Geld für das Essen, außerdem verschweigen sie auch auf Nachfrage die Möglichkeit, die Tour selbst zu organisieren. Man kann nämlich mit dem Colectivo nach Cocachimba fahren und die Tour auf eigene Faust durchführen. Der Guide ist, wie erwähnt, quasi eh nicht vorhanden und der Weg auch so einfach zu finden.

 

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Kuelap:

Kuelap ist eine alte Festung der Chachapoya und gilt teilweise als ‘Machu Picchu des Nordens’. Wir machten den Ausflug wieder mit einer Tour, in diesem Fall ist es einfach wesentlich einfacher.

Die Anreise war sehr holprig, wohl aufgrund einer Straßensperre mussten wir eine Alternativroute fahren, welche über drei Stunden brauchte und uns teilweise an die Busfahrt nach Chachapoyas erinnerte (und diese teilweise sogar noch übertraf!). Vom Busparkplatz führte dann ein zehnminütiger Fußmarsch zur Anlage, dieser sollte auf dem Rückweg für das heimliche Highlight der Tour sorgen.

Vor Ort führte uns ein Guide (der auch englisch und deutsch sprach) durch die Anlage, welche tatsächlich sehr beeindruckend ist. Laut Manuel ist sie wesentlich authentischer als Machu Picchu, wir können den Vergleich erst in ein paar Wochen ziehen.

Abschließend gab es wieder ein Essen sowie einen kleinen Fußmarsch, glücklicherweise war der Bus das erste Stück Sandweg (welches durch den Regen wirklich jenseits von Gut und Böse war) ohne uns gefahren. Der oben erwähnte Teil zwischen Anlage und Busparkplatz war durch den Regen eine reine Schlammpiste, welche steil nach unten führte. Mit langsamen Schritten schafften wir den Weg zum Glück unbeschadet, zur allgemeinen Belustigung fielen jedoch der ein oder andere Mitfahrer in den Matsch.

Die Führung dauerte ca. eineinhalb Stunden, mit Busfahrt erreichten wir Chachapoyas jedoch erst wieder im Dunkeln.

 

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Mirador Huancas:

Einige Kilometer außerhalb befindet sich der Aussichtspunkt ‘Mirador Huancas’, welcher einfach mit dem Colectivo besucht werden kann. Der Ausblick ist wirklich richtig schön und sicherlich auf einer Ebene mit dem in Huaraz.

 

Durch die deutsch-peruanische Gesellschaft, das gute Essen und die schönen Touren war Chachapoyas für uns ein echtes Highlight. Mit einem weinenden Auge trennen sich unsere Wege nun, denn wir müssen zügig über Tarapoto und Yurimaguas in den Dschungel, in welchem wir eine Loge reserviert haben und deshalb leider unter Zeitdruck stehen – Manuel und Alejandra machen jedoch noch in Moyobamba halt. Vielleicht sieht man sich ja nochmal, wir würden es uns wünschen!

Milly & Marcel

 

Wir sind Milly und Marcel

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