Mittel-/Südamerika,  Reisetagebuch

Amazonas Regenwald

5 Tage im Amazonas!

Unser nächstes großes Abenteuer stand bevor:  Dschungel und wilde Tiere!

Iquitos ist für Touristen besonders aufgrund des umgebenden Dschungels interessant und Ausgangspunkt vieler Dschungeltouren. Diese bestehen meist aus einer Unterkunft im Dschungel und verschiedenen Aktivitäten.

Wir hatten bereits im Vorfeld davon gehört und informierten uns darüber ausgiebig im Internet, aber auch vor Ort werden noch viele Touren angeboten. Nachdem die eigentlich gewünschte Lodge im Tapiche Reserve (zu der auch unser Hostel in Iquitos gehörte) ausgebucht war, entschieden wir uns für die “La Libertad Jungle Lodge”. Die vielen guten Bewertungen im Internet überzeugten uns und wir wurden definitiv nicht enttäuscht.

Die Lodge “La Libertad” liegt am Fluss Ucayali, einem Quellfluss des Amazonas, ca. eineinhalb Bootsstunden von der Stadt Nauta entfernt. Wir hatten Iquitos im letzten Bericht als Stadt ohne Straßenanbindung vorgestellt, dies stimmt jedoch nicht zu 100 Prozent: Zwischen Iquitos und dem 90km entfernten Nauta, einer weiteren Stadt im Dschungel, besteht eine Straßenverbindung, welche jedoch nach beiden Städten endet.

Pünktlich um 08:00 Uhr morgens holte uns unser Guide May (welcher nur für uns zuständig war, ein absoluter Pluspunkt dieser Lodge!) vom Hostel ab, zunächst fuhren wir per Auto nach Nauta. Dort stiegen wir in ein kleines Boot um und fuhren anschließend zur Lodge.

 

Die Lodge:

Die Lodge liegt in direkter Nachbarschaft des kleinen Ortes “Libertad”, ca. 200m vom Flussufer entfernt. Alle Gebäude (wie auch im Dorf) standen auf Holzstegen und waren per Brücken verbunden, denn in der Regenzeit ist das gesamte Dorf geflutet. May zeigte uns Fotos davon, zur Regenzeit müssen die Menschen bspw. mit dem Boot von Haus zu Haus fahren.

Die ganze Lodge ist eher rustikal gehalten und passte daher für uns optimal in den Dschungel. Es gab dreimal täglich super leckeres Essen sowie (teilweise unbekanntes) Obst und Limonade – Tee, Kaffee und Wasser standen die ganze Zeit über bereit.

Wir wussten zwar ungefähr, was uns erwarten würde, dennoch wurden wir direkt am ersten Abend relativ unsanft vom Dschungel begrüßt. Wir hatten aus Iquitos ein kleines Snackpaket mitgebracht, welches wir natürlich im Zimmer bei unseren Sachen lagerten. Als wir am ersten Nachmittag nach Hause kamen und Kekse in der Zimmerecke vorfanden, ahnten wir noch nichts Böses (und tauschten stattdessen gegenseitige Beschuldigungen aus wer die Kekse gegessen hat). Als Marcel dann plötzlich eine Ratte auf dem Dachbalken langlaufen sah, war der Schreck natürlich groß. Zeitgleich schlich noch eine ca. handflächengroße Spinne neben der Tür lang und verabschiedete die flüchtende Milly, welche dadurch nicht unbedingt entspannter wurde. Am Ende konnten wir auf vereinzelten Wunsch zwar das Zimmer wechseln, dies half aber höchstens psychisch. Unser Guide erklärte uns, dass die Ratten aus dem Dschungel kämen und das Essen riechen würde, weswegen wir es von nun an lieber in der Küche lagerten und hatten danach zum Glück keinen unangenehmen besuch mehr. 

Wir kamen zwar in den Dschungel, um wilde Tiere zu sehen, doch das ging uns dann doch ein wenig zu schnell und unvorbereitet. Immerhin konnten wir so ein wenig zur Belustigung unseres Guides beitragen und haben nun eine Geschichte mehr zu erzählen, im Nachhinein war es nämlich doch ganz witzig.

 

Die Aktivitäten:

Die Lodge bietet 18 verschiedene Aktivitäten an, aus welchen man auswählen kann. Da unser Guide ausschließlich für uns allein da war, konnten wir die gesamte Zeit nach unseren Vorstellungen gestalten und daher alle gewünschten Aktivitäten machen:

Delfine und Sonnenuntergang:

Im Amazonas leben zwei Arten von Delfinen, pinke und graue Flussdelfine. Bereits auf dem Weg zur Lodge hatten wir ein paar pinke Flussdelfine gesehen, nun wollten wir aber genauer nach den Tieren suchen.

Mit einem kleinen Boot fuhren wir den Fluss weiter stromaufwärts und suchten. Als May (unser Guide) einen Delfin entdeckte, fuhren wir langsam mit dem Boot im Kreis, dazu ahmte May verschiedene Delfintöne nach. Dies wiederholten wir an mehreren Stellen und tatsächlich sahen wir viele Delfine auftauchen. Pinke Flussdelfine sind schwerfälliger als die Grauen und springen daher nicht wirklich aus dem Wasser, stattdessen tauchen sie in regelmäßigen Abständen kurz auf und holen Luft. Milly schaffte dennoch einen Schnappschuss, auf welchem man das (manche sagen hässliche) Tier ganz gut sehen kann:

Gleichzeitig verfolgten wir den Sonnenuntergang, welcher aufgrund der Wolken jedoch an dem Tag nicht ganz so schön war.

 

Taranteln:

Nach dem Abendessen zog es uns im Dunkeln ein erstes Mal in den Dschungel, wir wollten Taranteln sehen. Die handgroßen Spinnen sitzen an den Baumstämmen und sind relativ einfach zu finden, wir mussten nicht wirklich tief in den Dschungel gehen.

 

Dschungelspaziergänge:

Wir wünschten uns am Anfang, möglichst viele Tiere zu sehen. Da der Dschungel kein Zoo ist, verbrachten wir einen Großteil der Zeit im Dschungel, auf der Suche nach verschiedensten Tieren. May sagte immer: “let’s see what we can find”, natürlich kannte er sich im Dschungel aber bestens aus und wusste ungefähr, wo man mit welchen Tieren rechnen könne. Wir erkundeten den Dschungel hinter dem Dorf, fuhren aber auch mehrmals mit dem Boot in andere Gebiete.

Tatsächlich konnten wir eine ganze Reihe wilder Tiere sehen: (weitere Bilder in der Galerie)

Ein Faultier, durchs Fernglas fotografiert

 

Neben den Tieren zeigte May uns noch viele weitere interessante Dinge. Er ist selbst im Dschungel geboren und aufgewachsen und kennt sich daher mit den Pflanzen sowie den Bräuchen der Einheimischen bestens aus. Er erzählte uns bspw. etwas zu Heilpflanzen und deren (teilweise streng rituellem) Gebrauch.

 

Kaiman-Suche:

Eine weitere Aktivität im Dunkeln ist die Suche nach Kaimanen, einer Unterfamilie der Alligatoren. Zunächst fuhren wir mit dem Boot zu einem Nebenfluss und leuchteten die Ufer ab, die Tiere sind nämlich an den rot leuchtenden Augen erkennbar. Anschließend machten wir am Ufer halt und gingen ein Stück in den Wald hinein, wo plötzlich ein kleiner Bach auftauchte. An diesem liefen wir entlang und nach einigen Metern konnte May tatsächlich einen kleinen Kaiman auffinden. Er schnappte sich das Tier und zeigte uns das 40-50 cm lange Exemplar, welches ca. drei Monate alt sein soll. Auch wir konnten das Tier in die Hand nehmen, aufgrund der scharfen Zähne galt aber äußerste Vorsicht.

Die Mutter, welche sich in der Regel in der Nähe aufhält, konnten wir nicht finden. Im Dunkeln, nur mit Stirnlampen bewaffnet, waren wir darüber jedoch auch nicht unbedingt traurig, ausgewachsene Tiere können nämlich über drei Meter lang und gefährlich sein. Das Baby setzten wir danach natürlich auch wieder in den Bach.

 

Angeln:

Am letzten vollen Tag stand eine Tagestour an, welche zuerst aus einem ausgiebigen Dschungelspaziergang entlang des kleinen Nebenflusses bestand. Anschließend fuhren wir mit dem Boot den Nebenfluss weiter hinunter und suchten uns einen Lagerplatz, auf welchem wir eine Mittagspause einlegen wollten. Unser Bootsfahrer (ein Mann aus dem Dorf) machte Feuer, kochte Reis und briet Hühnchen und Bananen auf einem selbstgebauten Stock-Rost-Grill, wir gingen fischen. Marcel wollte unbedingt einen Piranha angeln und daher stellte dieser Punkt ein absolutes Highlight dar.

Unser Grill

Wir fuhren mit dem Boot ein Stück weiter und May erklärte uns das Angeln, welches sich durchaus vom bisher bekannten Angeln in Deutschland unterscheidet. Als Angel benutzten wir einen einfachen Stock, an welchem ein Stück Angelschnur sowie ein ziemlich großes Haken befestigt war. Als Köder nahmen wir ein Stück Fleisch. Im Prinzip musste man den Haken nur einwerfen und beim ersten Bissgefühl schnell rausziehen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten flogen dann im Laufe er Zeit doch der ein oder andere Piranha im hohen Bogen in das Boot, die meisten waren jedoch ziemlich klein.

Ein Katzenfisch

Neben einem größeren Piranha angelte May noch einen Katzenfisch, beide wurden für uns in der Lodge zubereitet und zum Abendessen serviert:

May nahm währenddessen kleine Fisch, spießte sie auf einen Ast und warf ihn ins Wasser. Um uns herum hatten sich bereits vorher mehrere Falken in den Bäumen versammelt, die sich über den Fisch auf dem Servierteller freuten.

 

Schwimmen: 

Natürlich konnten wir den Dschungel nicht verlassen, ohne einmal im Amazonas geschwommen zu sein. Als wir am nächsten Tag einen Mann direkt an der Stelle angeln sahen, an der wir ins Wasser gesprungen sind, waren wir froh, dass wir mit zehn Zehen wieder aus dem Wasser gekommen sind. 

 

Das Dorf Libertad:

Am letzen Tag, bevor unser Abenteuer schon wieder enden sollte, machten wir mit May einen Ausflug in das Dorf und er erzählte uns über das Leben der Einheimischen. Das jetzige Dorf ist das dritte Dorf, welches aufgebaut wurde, da die ersten zwei Dörfer in der Regenzeit durch Überflutungen zerstört wurden. Anders als gedacht sieht das Dorf den Tourismus in ihrem Zuhause positiv. Durch die Lodge haben die Menschen eine Möglichkeit, arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen, wodurch z.B. die Häuser auf Stelzen gebaut werden konnten, um gegen die Hochwassersaison geschützt zu sein, öffentliche Toiletten eingerichtet wurden oder ein Wassertank besorgt wurde, der die Wasserversorgung vereinfacht. May erklärte uns, dass in dem Dorf, wie in allen anderen Dschungeldörfern auch, eigene Regeln herrschen und die Gesetze des Landes nur zweitrangig gelten. Verstößt jemand gegen die Gesetze oder verweigert die Mitarbeit im Dorf, so muss er in das dörfliche “Gefängnis”, welches eine Holzbox unter einem Haus ist. Die eigentliche Bestrafung (4, 8, 12 oder 24 Stunden) sei jedoch nicht die Zeit in der Box, sondern das Gelächter und die Sprüche der anderen Einwohner im Anschluss.

Eines der wenigen Probleme, die in dem Dorf vorzufinden sind, ist die Schulbildung der Kinder. Da in Libertad genügend Kinder leben, gibt es zwar eigene Schule, jedoch häufig keine Lehrkraft. Offiziell werden diese vom Staat gestellt, es kommt jedoch häufig vor, dass diese die Stelle nicht antreten oder das Dorf als krassen Kontrast zur Stadt schnell wieder verlassen wollen. Dazu werden bspw. Krankheitsfälle in der Familie vorgetäuscht. Dementsprechend ist ein kontinuierlicher Unterricht nur schwer möglich.

Das Dorf
Das Gefängnis
Die Schule

Im Dorf besuchten wir eine Frau, die aus Pflanzen und Obstschalen Souvenirs herstellt, auch wir durften uns daran versuchen und entschieden uns für zwei Armbänder. Wir stellten uns ehrlicherweise nicht unbedingt geschickt an, mit der Hilfe der Frau sowie von May entstanden jedoch zwei Armbänder im “Selbstgemacht”-Look.

Unsere Meisterwerke

 

weitere Bilder:

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Für uns geht es jetzt mit dem Flieger zurück nach Lima, der Süden Perus wartet auf uns!

 

Milly und Marcel

Wir sind Milly und Marcel

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